Websites hatten lange zwei Zielgruppen: Menschen und Suchmaschinen.
Zuerst schrieben wir Inhalte, damit sie gelesen werden. Dann lernten wir, sie so zu strukturieren, dass Suchmaschinen sie verstehen und indexieren können. SEO wurde zu einem festen Bestandteil digitaler Strategien.
Dieses Modell funktionierte über Jahrzehnte:
Inhalte wurden veröffentlicht, Suchmaschinen rankten sie, Nutzer klickten.
Doch dieses Modell verschiebt sich.
Immer mehr Fragen werden nicht mehr in z.B. Google oder Bing eingegeben, sondern direkt in KI-Systeme wie ChatGPT, Gemini oder Claude. Diese Systeme liefern keine direkte Linkliste zurück, sondern eine fertige Antwort mit ggf. einer Quelle.
Damit entsteht eine neue Realität.
Neben Menschen und Suchmaschinen gibt es heute eine dritte Zielgruppe: KI-Systeme.
Eine strukturelle Veränderung
Suchmaschinen bewerten Seiten und ordnen sie in Rankings ein. KI-Modelle hingegen extrahieren Wissen. Sie analysieren Inhalte, verdichten sie und formulieren Antworten neu. Wir haben gelernt, das SEO-Spiel zu beherrschen, damit unsere Websites bei Google gut ranken.
Jetzt beginnen Unternehmen, in neue Disziplinen wie Generative Engine Optimization (GEO) und Answer Engine Optimization (AEO) zu investieren.
Der Unterschied ist grundlegend:
- Suchmaschinen vermitteln Traffic.
- KI-Systeme vermitteln Antworten.
Das verändert die Rolle von Websites. Sie sind nicht mehr nur Zielorte für Klicks, sondern Wissensquellen innerhalb eines KI-Ökosystems.
Erste Studien und Traffic-Auswertungen zeigen bereits, dass der Anteil klassischer Suchanfragen in bestimmten Informationsbereichen zurückgeht, während KI-gestützte Recherche zunimmt. Besonders bei erklärungsbedürftigen Themen ersetzen KI-Antworten zunehmend den klassischen Besuch mehrerer Websites.
Diese Entwicklung steht noch am Anfang – aber sie ist klar erkennbar.
Was KI-Systeme anders brauchen
Suchmaschinen benötigen Struktur, Meta-Daten und technische Zugänglichkeit.
KI-Systeme benötigen zusätzlich:
- semantische Klarheit
- konsistente Begrifflichkeiten
- logisch aufgebaute Argumentation
- sauberen, extrahierbaren Text
Je klarer ein Inhalt formuliert ist, desto einfacher kann er in einem KI-Kontext verarbeitet werden.
Überladene Layouts, komplexe DOM-Strukturen oder stark marketinggetriebene Formulierungen erschweren die inhaltliche Extraktion. Nicht für Menschen – aber für Maschinen.
Das bedeutet nicht, dass SEO obsolet wird. Im Gegenteil. Technische Sauberkeit bleibt entscheidend. Doch sie reicht allein nicht mehr aus.
Von SEO zu KI-Optimierung
Vor zwanzig Jahren begann die systematische Suchmaschinenoptimierung. Wer früh verstand, wie Suchmaschinen funktionieren, gewann Sichtbarkeit.
Heute stehen wir an einem ähnlichen Wendepunkt.
Die Frage lautet nicht mehr nur:
„Wie ranke ich besser?“
Sondern zunehmend:
„Wie werde ich Teil einer KI-Antwort?“
Diese Frage betrifft nicht nur Medienhäuser oder Tech-Unternehmen. Sie betrifft jedes Unternehmen, das Wissen veröffentlicht:
Agenturen, Beratungen, Softwareanbieter, Dienstleister.
Technische Konsequenzen
Eine mögliche Antwort auf diese Entwicklung ist die zusätzliche Bereitstellung von Inhalten in reduzierter, strukturierter Form – etwa als Markdown.
Markdown reduziert Inhalte auf ihren Kern:
Überschriften, Absätze, Listen, Zitate. Keine Design-Elemente, keine Skripte, kein technischer Overhead.
Technisch haben wir es beispielsweise so umsetzen:
<link rel="alternate" type="text/markdown"
href="https://www.ingeniumdesign.de/ai-bots-love.md"
title="Markdown version">Damit wird eine alternative, maschinenfreundliche Version des Inhalts bereitgestellt.
Gerade in Systemen wie TYPO3, die eine saubere Trennung zwischen Inhalt und Darstellung ermöglichen, lässt sich dieser Ansatz strukturiert integrieren.
Eine TYPO3 Erweiterungen wie „ai-bots-love-markdown“ von B13 zeigen, dass sich auch etablierte CMS-Lösungen an diese neue Realität anpassen.
Das Ziel ist nicht, Websites zu vereinfachen oder Design zu reduzieren.
Das Ziel ist, Inhalte zusätzlich in einer Form zugänglich zu machen, die KI-Systeme optimal verarbeiten können.
Ein neues Distributionsmodell
Früher war das Modell klar:
Inhalt → Suchmaschine → Klick → Website
Heute entsteht ein zweites Modell:
Inhalt → KI-System → Antwort → (mögliche Quelle)
Sichtbarkeit verschiebt sich von Rankings zu Erwähnungen.
Markenpräsenz entsteht nicht mehr nur durch Position 1 bei Google, sondern durch Relevanz innerhalb generierter Antworten.
Diese Entwicklung wird klassische Suchmaschinen nicht ersetzen. Aber sie erweitert das Ökosystem grundlegend.
Die dritte Zielgruppe ist real
Menschen bleiben die wichtigste Zielgruppe.
Suchmaschinen bleiben ein zentraler Distributionskanal.
Aber KI-Systeme sind hinzugekommen.
Sie greifen auf bestehende Inhalte zurück, interpretieren sie und machen sie Teil neuer Antworten. Unternehmen, die ihre Inhalte klar, strukturiert und konsistent formulieren, erhöhen ihre Chancen, in diesem System sichtbar zu bleiben.
Wie bei SEO vor zwanzig Jahren gilt auch hier:
Wer früh beginnt, baut einen Vorsprung auf.
Die dritte Zielgruppe ist kein Hype.
Sie ist eine logische Weiterentwicklung des Webs.
Und sie verändert bereits jetzt, wie Inhalte gefunden und genutzt werden.